Flächendeckende Gesundheitsversorgung auch für den ländlichen Raum sichern!

Ich wurde im Havelberger Kranken­haus geboren, ein Krankenhaus, das es trotz des bewundernswerten und aufopferungsvollen Kampfes vieler Menschen aus der Region leider nicht mehr gibt.

Seit der Ankündigung des privaten Kli­nikbetreibers KMG im Januar 2020, das Krankenhaus schließen zu wollen, habe ich mich vor Ort, auf der Kreis­ebene, im Landtag und gegenüber der Landesregierung für den Erhalt des Standortes starkgemacht. Die Ergeb­nisse des Kampfes sind jedoch unbe­friedigend, weil die Rahmenbedingun­gen unbefriedigend sind!

Worum geht es im Einzelnen? Das Krankenhaus der Domstadt sollte nach 20 Jahren im Eigentum des Kon­zerns KMG geschlossen werden, weil es für diesen nicht rentabel genug war. Die Patientinnen und Patienten sollen künftig in das konzerneigene Kran­kenhaus nach Kyritz fahren. Die sim­ple Logik dahinter ist: gleiche Einnah­men, weniger Kosten. Die Qualität der Gesundheitsversorgung in Havelberg, die schlechte Erreichbarkeit von Kyritz mit Bus oder Bahn, spielten in dieser Rechnung keine Rolle.

Ein System, welches diese Logik för­dert, ist krank und muss politisch ver­ändert werden. Krankenhäuser müs­sen für die Versorgung der Menschen auch und gerade im ländlichen Raum zur Verfügung stehen. Sie dürfen keine Unternehmen sein, deren vordringli­ches Ziel Rendite ist. Gesundheit ist keine Ware! Aber genau darauf ist das gegenwärtige Gesundheitssys­tem ausgerichtet. Die Honorierung von Leistungen seitens der Kranken­kassen erfolgt zu oft nach rein techni­schen Parametern, d. h. nach Fallzah­len, und vergisst das Krankheitsbild der Menschen. Krankenhäuser rentie­ren sich vor diesem Hintergrund erst dann, wenn bei möglichst niedrigen Kosten viele teure Fälle in kurzer Zeit behandelt werden. Dieses Fallpau­schalen­-System führt vor allem klei­nere Krankenhäuser in die Krise. Der Staat »vergoldet« derzeit sogar solche Schließungspläne. Das ist perfide!

Das Fallpauschalen­-System zur Ab­rechnung von Gesundheitsleistungen gehört auf Bundesebene abgeschafft. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, Gelder für die Feuerwehren nach der Zahl und Größe der im letzten Jahr ge­löschten Brände zu bemessen. Brand­ wie Gesundheitsschutz müssen be­darfsgerecht vorgehalten werden.

In Havelberg wurde aber noch ein an­deres Problem deutlich. Da der Ge­sundheitsbereich durch neoliberale Politik wie ein Markt strukturiert ist, konkurrieren verschiedene Träger der Gesundheitsversorgung untereinan­der, doch leider nicht zum Wohl der Pa­tienten. Diese Konkurrenz führt dazu, dass die KMG die Immobilie des Kran­kenhauses in Havelberg nicht an einen anderen Träger abgeben möchte. Da­mit soll verhindert werden, dass die Patient:innen aus dem Havelberger Raum vor Ort behandelt werden kön­nen, statt in konzerneigenen Kranken­häusern im Land Brandenburg.

Die Konkurrenz unterschiedlicher Trä­ger im Krankenhausbereich führt da­rüber hinaus zu Qualitätsverlusten, weil Renditeerwartungen von Kapi­taleignern bedient werden müssen. DIE LINKE kämpft deshalb für eine ge­meinsame Krankenhausgesellschaft des Landes Sachsen­-Anhalt und sei­ner Landkreise, welche die flächen­deckende stationäre Gesundheitsver­sorgung überall im Land garantieren soll. Mit der Salus GmbH gibt es im Altmarkkreis Salzwedel ein gutes Bei­spiel dafür, wie die Kooperation zwi­schen Land und Landkreis funktionie­ren kann. Mein Ziel ist es, gerade für unsere ländliche Region im Norden des Landes die stationäre Gesund­heitsversorgung in öffentlicher Hand zu sichern. Denn es bleibt dabei: Gesundheit ist keine Ware!

Wulf Gallert – Direktkandidat im Wahlkreis Havelberg-Osterburg

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